Einfluss der Therapietreue bei der MS-Behandlung mit Interferonen auf Schubzahl und Krankenhausaufenthalte

Einfluss der Therapietreue bei der MS-Behandlung mit Interferonen auf Schubzahl und Krankenhausaufenthalte

22.01.10 | Die schubförmig verlaufende Multiple Sklerose (RRMS) ist eine chronische Erkrankung. Sie ist charakterisiert durch zunehmende Behinderung und stellt dadurch eine Belastung für Betroffene und Gesellschaft gleichermaßen dar. Es gibt zwar keine Heilung der MS, aber es existieren medikamentöse Behandlungen, die die Anzahl der Schübe verringern und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen können. Eine solche Klasse von Wirkstoffen zur Behandlung der RRMS sind die Interferone: Interferon-beta-1a (Rebif (R) und Avonex (R)) und Interferon-beta-1b (Betaferon (R) und Extavia (R)). Um eine optimale Wirksamkeit zu erreichen, müssen diese Medikamente regelmäßig injiziert werden.

Allerdings kann mangelnde Compliance, d. h. Unsicherheiten (z.B. falsche Therapieerwartungen) und eventuelle Nebenwirkungen der Medikation, den Patienten daran hindern, das Medikament regelmäßig zu nehmen. Bis heute gibt es kaum Information darüber, wie sich die Therapietreue (= Therapie-Adhärenz) bei den Interferon-beta-Therapien klinisch, also auf das Fortschreiten der Krankheit, und wirtschaftlich, also durch Inanspruchnahme des Gesundheitssystems, Arbeitsausfall etc., auswirkt. Ziel dieser Studie war es, die Auswirkungen der Therapie-Adhärenz bei den Interferon-beta-Therapien auf die Schubrate und auf die Nutzung von Gesundheitsressourcen zu erforschen.

In dieser Studie wurden die Krankenakten von 1606 Patienten in den USA über einen Zeitraum von drei Jahren (2006 – 2008) untersucht. In den Akten waren sowohl der Medikamentenverbrauch als auch MS-bezogene Daten dieser Patienten dokumentiert. Die Patienten wurden in zwei Gruppen eingeteilt: In Patienten, die das verordnete Interferon eher regelmäßig nahmen (= „adhärente“ Patienten), und solche, die nicht-adhärent waren. „Adhärenz“ war dabei so definiert, dass der Patient das Interferon zu mindestens 85 % wie verordnet einnahm.

Die statistische Analyse aller Daten zeigte Folgendes: Während des Betrachtungszeitraums betrug die durchschnittliche Adhärenz bei allen untersuchten Patienten je nach Interferon zwischen 72 und 76 % pro Jahr. Nur 27 bis 41 % der Patienten pro Jahr konnten als adhärent bezeichnet werden (85 % oder mehr). Nur 4 % aller Patienten injizierten ihr Interferon über den gesamten Untersuchungszeitraum zu mindestens 85 %.

Die Patienten, die adhärent waren, hatten in diesen drei Jahren tendenziell weniger Schübe als die nicht-adhärenten Patienten. Dieser Effekt war umso größer, wenn adhärente Patienten mit verschiedenen Sub-Gruppen nicht-adhärenter Patienten (<80%, <75%, <70%, <65% and <60%) verglichen wurden. Die Besuche in der Notaufnahme sprachen eine ähnliche Sprache: Patienten, die z. B. 2007 eine gute Therapietreue (Adhärenz mind. 85 %) gezeigt hatten, wurden im Folgejahr tendenziell seltener in der Notaufnahme gesehen als weniger adhärente Patienten. Vergleichbar waren die Zahlen der stationären Aufenthalte: Patienten, die 2006 und 2007 ihrer Therapie treu waren, waren in den drei Jahren des Beobachtungszeitraums seltener im Krankenhaus. Diese Untersuchungsergebnisse zu einer schlechten Adhärenz und deren Einfluss auf die Anzahl der Schübe und die Inanspruchnahme des Gesundheitssystems (Arztpraxis, Notaufnahme, Krankenhaus) sind ein starker Hinweis darauf, dass es bei Patienten, die eine Interferon-Therapie machen, Einsparungsmöglichkeiten gibt: Durch Verringerung der Notwendigkeit, die Einrichtungen der Gesundheitsfürsorge in Anspruch zu nehmen, könnten Kosten im Gesundheitssystem gespart werden. Die Autoren dieser Studie (ein Krankenversicherungsunternehmen und Wissenschaftler der University of Memphis, Tennessee, USA) mahnen Anstrengungen an, das Problem der mangelnden Therapietreue zu verstehen und das Verhalten dieser Patientengruppe dahingehend zu verbessern, dass sie ihre Medikamente wie verordnet nehmen. So könne es gelingen, die negativen Auswirkungen der schubförmigen MS auf die erkrankten Patienten zu verringern und gleichzeitig unnötige Kosten zu reduzieren, die durch die nötige Schubbehandlung und den Arbeitsausfall entstehen. Quelle: Steinberg SC, Faris RJ, Chang CF, Chan A, Tankersley MA. Impact of adherence to interferons in the treatment of multiple sclerosis: a non-experimental, retrospective, cohort study.
Clin Drug Investig. 2010;30(2):89-100.

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