Funktionelle elektrische Stimulation verbesserte die Gehfähigkeit bei Fußheberschwäche

Die Fußheberschwäche ist ein sehr weit verbreitetes Symptom bei MS-Erkrankten, das die Gehfähigkeit und damit die Mobilität stark einschränkt. Die funktionelle elektrische Stimulation wird zunehmend auch bei MS erforscht, und zwar zur Behebung der Fußheberschwäche, und zeigte in einer randomisierten, kontrollierten Studie einen Nutzen.[1]

Für die Mobilisierung von Schlaganfallpatienten, die Lähmungen in den Beinen haben, stellt FES einen wichtigen Bestandteil der Rehabilitation dar. Vor 50 Jahren begannen Liberson und Kollegen erstmalig, diese Methode bei Schlaganfallpatienten mit Fußheberschwäche mit Erfolg anzuwenden;[2] inzwischen wird FES bei verschiedenen Erkrankungen mit neurologisch bedingten Lähmungen eingesetzt. Durch gezielte Anregung des Peronäusnervs bewirkt sie die Kontraktion derjenigen Muskeln, die für das Anheben des Fußes zuständig sind. Das Prinzip basiert auf einem Schalter, der immer dann einen feinen elektrischen Strom auslöst, wenn beim Gehen der Fuß angehoben werden soll. Dadurch zieht sich der Fußhebermuskel zusammen, so dass der Fuß hochkommt und nicht mehr beim Nachvornesetzen mit den Zehen am Boden hängenbleibt. Das batteriebetriebene Gerät wird wahlweise am Knie oder an der Hüfte befestigt oder einfach in der Tasche getragen und ist mittels Drähten mit den Elektroden verbunden, die unterhalb des Knies aufgeklebt sind. Eine Illustration des Prinzips ist beim Hersteller des in der Studie benutzten Gerätes zu sehen.[3]

Die hier berichtete Studie wurde mit 64 Patienten in England durchgeführt, die aufgrund einer sekundär-progredienten MS an Fußheberschwäche litten. Sie wurden in zwei Gruppen aufgeteilt; die eine Gruppe erhielt 18 Wochen lang Physiotherapie, die andere Gruppe benutzte das FES-Gerät (hier: Odstock dropped foot stimulator (ODFS)). Der Erfolg der beiden Behandlungsmethoden wurde mit einem speziellen Leistungstest (Canadian Occupational Performance Measure (COPM)) und mit den Aufzeichnungen in einem Tagebuch gemessen, in dem die Patienten ihre Stürze dokumentierten.

Die Ergebnisse von 53 Studienteilnehmern konnten ausgewertet werden. Verbesserungen der Gehfähigkeit und Zufriedenheit mit der Behandlungsmethode waren in der ODFS-Gruppe größer als in der Physiotherapie-Gruppe. Die mittlere Anzahl der Stürze während des Studienzeitraums betrug 5 in der ODFS-Gruppe und 18 in der Physiotherapie-Gruppe.

Demnach war die funktionelle elektrische Stimulation wirksamer als Physiotherapie, was die Gehfähigkeit und die Zufriedenheit der Patienten betraf, denn durch die verbesserte Mobilität konnten sie wieder besser ihren alltäglichen Verrichtungen nachgehen und stürzten auch seltener.

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[1] Esnouf J, Taylor P, Mann G, Barrett C.:
Impact on activities of daily living using a functional electrical stimulation device to improve dropped foot in people with multiple sclerosis, measured by the Canadian Occupational Performance Measure.
Mult Scler. 2010 Jul 2. [Epub ahead of print]
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20601398

[2] Nils-Otto Negård:
Regelung des FES-unterstützten Gangtrainings für halbseitig gelähmte Patienten nach Schlaganfall unter Verwendung von Inertialsensoren (Diss., 1999)
http://opus.kobv.de/tuberlin/doku/lic_mit_pod.php

[3] Correction of Dropped Foot using the Odstock Dropped Foot stimulator (ODFS). Clinical Outline Summary.
http://www.fesmobility.com/images/2010_ODFS_Summary_with_pictures_refs.pdf

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