Kurzzeitvergleich zwischen Cortison-Infusion und Cortison-Tabletten zur MS-Schubtherapie

17.12.09 | Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) empfiehlt in ihrer aktuellen „Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Multiplen Sklerose“[1] zur Schubtherapie eine hochdosierte intravenöse Cortison-Stoßbehandlung: Nach standardisierter, quantitativer neurologischer Untersuchung (EDSS und MSFC), Ausschluss eines akuten Infektes und Beachtung der Kontraindikationen für eine Kortikosteroidtherapie wird die intravenöse Methylprednisolon-Hochdosistherapie … möglichst innerhalb von 3 bis 5 Tagen nach Beginn der klinischen Symptomatik mit einer Dosierung von 1 g an 3 bis maximal 5 aufeinander folgenden Tagen unter Magenschutz und Thromboseprophylaxe begonnen.

Die Leitlinie führt weiter aus: Ähnlich wirksam scheint nach kleineren Studien auch die hochdosierte orale Therapie mit 500 mg Methylprednisolon zu sein…

In einer Untersuchung haben Wissenschaftler der neurologischen Abteilung der Universitätsklinik San Raffaele in Mailand Wirksamkeit, Verträglichkeit und Anwendungssicherheit von intravenös verabreichtem („Tropf“) und oral verabreichtem (Tabletten) Cortison miteinander verglichen. Die Dosis betrug bei beiden Verabreichungsformen 1000 Milligramm pro Tag, die Anwendungsdauer jeweils fünf Tage, so dass alle Patienten schlussendlich eine Stoßtherapie mit 5 Gramm Cortison erhalten hatten.

Vierzig Patienten mit akutem MS-Schub innerhalb der letzten zwei Wochen und mindestens einer aktiven Läsion im MRT wurden zufallsverteilt gleichmäßig den zwei Gruppen zugeordnet. Bei allen Patienten wurden EDSS- und MRT-Werte zu gleichen Zeitpunkten erhoben, nämlich vor Behandlungsbeginnsowie eine und vier Wochen danach. Die Wirksamkeit der beiden Behandlungen wurde in erster Linie am Rückgang der aktiven Läsionen im MRT (Anzahl der Läsionen) festgemacht. Sekundäre Vergleichsmerkmale waren die Sicherheit, die Verträglichkeit und die klinische Wirksamkeit (= Symptomverbesserung).

Im Ergebnis zeigte sich bei beiden Behandlungsgruppen ein Rückgang der aktiven MS-Läsionen im MRT, wobei keiner der beiden Behandlungswege (als Tropf oder als Tablette) dem anderen überlegen war. In beiden Gruppen war auch eine klinische Symptomverbesserung zu beobachten und auch hier gab es keine Unterschiede zwischen Tropf und Tablette. Sowohl Tropf als auch Tablette wurden gut vertragen und Nebenwirkungen waren minimal und traten in beiden Behandlungsarmen gleichermaßen auf. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass Cortisontabletten sehr ähnlich wirksam sind wie Cortisoninfusionen, um die Entzündungsaktivität im MS-Schub zu dämpfen.

Insofern steuert diese Studie einen Erkenntnisgewinn bei und untermauert die gemachte Aussage in der oben zitierten DGN-Leitlinie, dass die orale Cortison-Behandlung eine Option sein kann. Patienten haben dadurch erweiterte Möglichkeiten ihrer individuellen Schubbehandlung in vertrauensvoller Absprache mit ihrem behandelnden Neurologen.[3]

Quellen:

[1] Leitlinien der DGN 2008: Diagnostik und Therapie der Multiplen Sklerose. (PDF)

[2]Martinelli V, Rocca MA, Annovazzi P, Pulizzi A, Rodegher M, Boneschi FM, Scotti R, Falini A, Sormani MP, Comi G, Filippi M.
A short-term randomized MRI study of high-dose oral vs intravenous methylprednisolone in MS.
Neurology. 2009 Dec 1;73(22):1842-8.

[3] Jürgen Kasper, Friedemann Geiger:
Der evidenzbasiert informierte Multiple-Sklerose-Patient. Risikokommunikation zwischen Arzt und Patient.
Klinikarzt 2007; 36 (1): 43–47

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